[Buchrezension] - Finn Seelenspiegel



Ich oute mich: Ich bin eine Leseratte. JA, ich stehe dazu! Fast genau so sehr, wie ich es liebe, mit den Mädchen unterwegs zu sein, genieße ich es mit ihnen auf der Couch zu kuscheln und zu lesen.

Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass mir Aruna Siewert ihr Buch "Finn Seelenspiegel" kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Leider hat es nun doch etwas länger gedauert, bis ich das Buch durchgelesen habe und ich schäme mich auch dafür, aber ich schiebe es auf den Alltagsstress. Oder ich bin nicht gut genug organisiert. Oder einfach beides. Aber das ist ja alles Schnee vom letzten Jahr, immerhin habe ich es im Dezember dann doch noch verschlungen.

Das Buch kostet 12,99€ und - was mir persönlich wirklich sehr gut gefällt - von jedem verkauften Exemplar wird je 1€ an STREUNERHerzen e.V. gespendet. Somit tut ihr beim Lesen auch etwas Gutes. Es ist so gut wie überall verfügbar, u. a. bei Amazon oder auch bei Thalia. Mir wurde es kostenlos zur Verfügung gestellt, damit ich euch ein bisschen was darüber erzähle. 

Es handelt sich bei diesem Buch um keinen Roman, sondern eher um eine Art "gebundenen Blog" oder Tagebuch. Aruna erzählt aus dem wirklich wahren Leben mit ihren beiden Tierschutzhunden und verzichtet dabei gänzlich auf Beschönigungen. Damit meine ich, dass sie nicht versucht die Probleme schön zu reden, denn das sind sie nicht. Sie versucht auch nicht, die Situationen zu verharmlosen, im Gegenteil: Manchmal habe ich mich selbst dabei ertappt wie ich dachte "Ach komm, so schlimm ist das doch gar nicht.". 

Die Erzählweise erlaubt es, sich dem Geschehen wirklich sehr nah zu fühlen und auch an den Gefühlen der Autorin teilzuhaben, die sie offen mit dem Leser teilt. Sei es die Freude, weil eine Trainingsmethode angeschlagen hat, oder auch die Enttäuschung und die Sorgen, wenn etwas nach langem Üben immer noch nicht so recht funktionieren mag. Wer selbst Hunde hat, wird sich in einigen Erzählungen selbst wiederfinden. Bei mir persönlich waren das die Schilderungen über Finns Pubertät, als auf einmal alle Erziehung, all die Mühen, plötzlich auf Werkseinstellungen zurück gesetzt werden. Was freue ich mich darauf, wenn es bei Darida dann auch endlich los geht - nicht. 

Ein wenig befremdlich wirkt es auf mich, dass Aruna darüber erzählt, wie sie mit ihren Hunden kommuniziert und da dann auch von deren Auren redet. Darauf muss man sich einfach einlassen können. Ich persönlich hatte nach erstem Schmunzeln das Gefühl, als würde ich meinen Horizont dadurch ein wenig erweitern. Das Buch hat mich in vielerlei Kapiteln zum Nachdenken gebracht und zwar nicht nur oberflächlich, sondern so richtig mit Tiefgang. Es fällt mir wirklich schwer das zu beschreiben, aber vor allem sehe ich die Hundeerziehung nicht mehr ganz so streng, sondern mit einem kleinen Lächeln im Mundwinkel versteckt. 

Das Cover von Finn Seelenspiegel


Das Thema Tierschutzhund fand ich schon immer extrem interessant und bevor ich Hayley zu uns holte, war ich sogar eine Zeit lang am Überlegen, den Wunsch vom Cavalier noch ein wenig beiseite zu legen, da doch so viele Hunde in Tierheimen auf ein warmes Zuhause warten. Aber dem war das Herrchen extrem skeptisch gegenüber, was für mich ebenso ok war und wir warfen den Gedanken über Bord. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich persönlich auch nie wirklich getraut einem Hund mit einer Vorgeschichte ein Zuhause zu geben. Was, wenn ich ihm nicht gerecht werden könnte? Wenn ich ihm nicht die nötige Sicherheit geben würde? Umso dankbarer bin ich über diesen sehr intimen Einblick, den Aruna über das Zusammenleben mit solchen Hunden in ihrem Buch offenbart. 


"Wir sind nicht zufällig zusammen, wir haben Aufgaben und Geschenke füreinander."
(Zitat, S. 105 aus Aruna Siewerts "Finn Seelenspiegel")


Dieses Buch hat meine Denkweise wirklich stark beeinflusst, weil es mir vor Augen geführt hat, wie empathisch unsere Hunde eigentlich sind. Sie sind wirklich eine Art "Spiegel unserer Seele" und spiegeln in dieser Rolle unser Verhalten und unsere Gefühle um ein Vielfaches wider. Sie zeigen uns manchmal auf ihre ganz eigene und besondere Art, dass in unserem Leben etwas nicht stimmt und machen uns darauf aufmerksam, dass es an Zeit ist, etwas zu ändern. Mir persönlich hat es nur durch das Lesen dazu ermutigt, meine Gefühle bewusster wahrzunehmen. Wann fühle ich mich wie und was für einen Einfluss hat das auf meine Hunde? Darüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. 

Am Ende ihres Buches hat sie einige Tipps aufgelistet, die ich wunderbar ehrlich finde. Oft lese ich in irgendwelchen Gruppen auf Facebook, man muss sich unbedingt einen Hund aus dem Tierschutz holen, weil die eben so viel erlebt haben und man ihnen helfen muss. Unterschreibe ich so, na klar brauchen diese armen Wesen Hilfe und ich ziehe vor jede einzelnen, der so eine gequälte Seele bei sich aufnimmt, den Hut, aber: Aruna schreibt, was ich mir zwar immer gedacht, aber nie getraut habe auszusprechen. Tierschutzhunde sind dankbar und sie haben eine Chance verdient. Aber sie brauchen auch viel Liebe, Zeit und Einfühlungsvermögen. Fühlt man sich dem nicht gewachsen, hat nicht so viel Zeit oder ähnliches, sollte man lieber einen Welpen zu sich holen, der evtl. keine so schwere Vergangenheit hat. 

Hier und da haben sich ein paar Tippfehler eingeschlichen, die aber das Lesen nicht erschweren. Als angehende Deutschlehrerin musste ich das aber anmerken.


#Streber

Es hat wirklich Spaß gemacht "Finn Seelenspiegel" zu lesen und ich habe mich in vielen Erzählungen und Schilderungen selbst so oft wieder erkannt, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Aruna möchte sich in diesem Buch nicht wichtig machen oder sich selbst als Superfrauchen darstellen. Sie schenkt dem Leser lediglich einen Einblick in ihren Alltag und zeigt, dass auch schwere Zeiten gemeistert werden können, wenn wir uns einfach nur gedulden und daran arbeiten. Ich persönlich kann dieses Buch also nur weiterempfehlen, wenn ihr keine Probleme damit habt, euren Horizont ein wenig zu erweitern und offen für Neues seid - außerdem spendet ihr damit ja auch für einen guten Zweck. 


Bis bald,

eure Cavaliermaedchen

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